Ende einer Förderinstitution: Die Hans-Platschek-Stiftung stellt ihre Tätigkeit ein
Die Hans-Platschek-Stiftung hat im Jahr 2026 ihre Tätigkeit offiziell beendet und sich nach achtzehn Jahren von der art karlsruhe verabschiedet. Mit der Auflösung der Stiftung entfällt zugleich die Grundlage für eine weitere Vergabe des Hans-Platschek-Preises im Rahmen der Messe, die 2026 erstmals ohne diese Auszeichnung stattfand.
Ausgangspunkt der Recherche
Die Klärung begann mit einer auffälligen Diskrepanz in den veröffentlichten Informationen: Der Hans-Platschek-Preis wurde im Besucherflyer der art karlsruhe 2026 angekündigt, fand sich im weiteren Verlauf jedoch nicht mehr in den offiziellen Programmübersichten der Preisverleihungen. Mir fiel auf, dass die angekündigte Verleihung plötzlich keine Erwähnung mehr fand. Um diese Unklarheit zu verstehen, habe ich mehrmals an verschiedenen Stellen nachgefragt, unter anderem direkt bei der Stiftung.
Auskunft der Stiftung
Auf meine Anfrage hin teilte die Stiftung mit, dass sie sich 2026 offiziell von der art karlsruhe verabschiedet habe. Nach achtzehn Jahren Tätigkeit sehe sie ihren Auftrag, das Werk und den Namen des Künstlers dauerhaft präsent zu halten, als erfüllt an. Der langjährige Vorstandsvorsitzende und Testamentsvollstrecker scheide altersbedingt aus; eine Nachfolge habe nicht gefunden werden können. In diesem Rahmen werde die Stiftung aufgelöst, und der künstlerische Nachlass gehe als Schenkung an öffentliche Kunsteinrichtungen, darunter die Hamburger Kunsthalle, mit weiteren Übergaben an andere bedeutende Häuser. Vor diesem Hintergrund fand 2026 keine Verleihung des Hans-Platschek-Preises mehr statt.
Diese Auskunft beschreibt den institutionellen Abschluss der Stiftungstätigkeit.
Kunsthistorische Einordnung
Hans Platschek (1923–2000) gehört zu den eigenständigen Stimmen der deutschen Nachkriegsmoderne. Seine Malerei verbindet figurative Bildsprache mit analytischer Distanz, oft ironischer Brechung, und entzieht sich programmatischen Gruppenzuschreibungen. Parallel dazu trat Platschek als scharfsinniger Essayist und Kritiker des Kunstbetriebs hervor. Diese Doppelrolle — praktizierende künstlerische Praxis und reflektierende Kommentierung — begründet seine besondere Stellung innerhalb der westdeutschen Kunstlandschaft: Er gilt weniger als Vertreter einer Schule, vielmehr als unabhängiger Bezugspunkt für künstlerische Autonomie und argumentierende Bildpraxis.
Die Stiftung knüpfte an dieses Selbstverständnis an und verband historische Verortung mit zeitgenössischer Künstlerförderung. Der Hans-Platschek-Preis auf der art karlsruhe setzte diese Linie sichtbar fort: Auszeichnungen würdigten Positionen, die sich durch Eigenständigkeit, reflektierte Haltung und kritische Kontinuität auszeichneten.
Preisstruktur der art karlsruhe und Verschiebungen 2026
Die Messe vergibt weiterhin mehrere Preise mit unterschiedlichen Funktionen:
-
art karlsruhe Preis – würdigt eine herausragende künstlerische Position im Messekontext, primär auf Präsentationsqualität und institutionelle Sichtbarkeit fokussiert.
-
Loth Skulpturenpreis – richtet sich spezifisch auf skulpturale Praxis und deren öffentliche Wahrnehmung.
-
LBBW academy:square award – erstmals 2026 vergeben, mit besonderem Fokus auf akademische oder nachakademische Positionen und deren Entwicklungspotenzial.
Mit dem Wegfall des Hans-Platschek-Preises entfällt 2026 eine Auszeichnung, die weniger auf Präsentationsform oder Entwicklungspotenzial zielte, sondern eine inhaltliche und kunsttheoretische Setzung bot: die explizite Verknüpfung zeitgenössischer Positionen mit einer kritisch verstandenen Nachkriegstradition. Der Preis verband die Präsentation auf einer stark frequentierten Plattform mit der Einordnung in eine reflektierte, eigenständige künstlerische Linie.
Bedeutung für Künstlerinnen und Künstler
Für ausgezeichnete Künstlerinnen und Künstler stellte der Hans-Platschek-Preis nicht nur Sichtbarkeit sicher, sondern bot eine spezifische Kontextualisierung innerhalb der kunsthistorischen Diskussion. Mit seinem Wegfall entfällt ein Bezugspunkt, der die künstlerische Position bewusst in Relation zu einer kritischen, unabhängigen Tradition der Nachkriegsmoderne setzte. Die verbleibenden Preise erfüllen weiterhin wichtige Funktionen, doch die inhaltliche Dimension, die der Hans-Platschek-Preis in den letzten achtzehn Jahren markierte, ist nicht mehr vorhanden.
Bedeutung für den Messekontext
Die art karlsruhe bleibt ein Ort vielfältiger künstlerischer Präsentation und Auszeichnungen. Zugleich markiert die Beendigung der Stiftung und die Aussetzung des Hans-Platschek-Preises eine Verschiebung im institutionellen Profil der Preislandschaft: Ein Preis, der programmatisch die Verbindung von künstlerischer Praxis und kritischer Reflexion sichtbar machte, wird nicht fortgeführt. Die langfristige Wirkung bleibt in den ausgezeichneten Positionen und in der musealen Sicherung des Nachlasses präsent, seine institutionelle Funktion innerhalb der Messe ist jedoch abgeschlossen.
Die Klärung dieser Punkte ist das Ergebnis beharrlicher Recherche zu zunächst widersprüchlichen öffentlichen Angaben. Sie dokumentiert zugleich einen Einschnitt: Mit der Auflösung der Stiftung endet eine Förderlinie, die über Jahre hinweg eine eigenständige, diskursive Stimme innerhalb des Messekontexts markierte – eine Stimme, deren institutioneller Rahmen nun nicht mehr existiert.
Stand: 16. Februar 2026
Cornelia Kerber
**Eigener Hinweis zur Preisverleihung des Hans-Platschek-Preises 2026
(Veröffentlicht am 27.01.2026)
Im Zuge meiner inhaltlichen Vorbereitungen zur diesjährigen art karlsruhe habe ich mich auch mit den vorgesehenen Preisverleihungen beschäftigt. Dabei ist mir folgendes aufgefallen, aber vielleicht liege ich ja auch falsch.
Der Hans-Platschek-Preis wird im Besucherflyer zur art karlsruhe 2026 ausdrücklich genannt und dort dem Donnerstag der Messe zugeordnet. Er findet sich auch erwähnt in einer untergeordneten Seite der Online-Präsenz der Messe. Gleichzeitig finden sich jedoch auf den weiterführenden Seiten der art karlsruhe sowie auf der Website der Hans-Platschek-Stiftung derzeit keine näheren Angaben zur Verleihung – insbesondere weder eine zeitliche Einordnung noch eine Nennung innerhalb der offiziellen Programmübersicht der Preisverleihungen. Dort werden aktuell der art karlsruhe Preis, der Loth Skulpturenpreis sowie der LBBW Academy Award aufgeführt; ein Hinweis auf den Hans-Platschek-Preis erscheint an dieser Stelle nicht. Auch in den bislang veröffentlichten Presseinformationen konnte ich hierzu keine ergänzenden Angaben finden.
Um hier keine unklaren oder widersprüchlichen Informationen weiterzugeben, habe ich diesbezüglich direkt bei der art karlsruhe nachgefragt.
Sobald mir eine Rückmeldung vorliegt, werde ich diese Information selbstverständlich umgehend aktualisieren.
Eure Cornelia
ℹ️ Aktualisierung vom 15. Februar 2026
Nach meiner direkten Anfrage bei der art karlsruhe wurde auf deren Website plötzlich ein knapper Hinweis ergänzt, wonach im Jahr 2026 keine Verleihung des Hans-Platschek-Preises stattfinden werde. Eine Begründung, Einordnung oder weiterführende Erläuterung wurde nicht veröffentlicht.
Die Tatsache, dass ein Preis zunächst im Besucherflyer geführt wird, anschließend jedoch ohne nachvollziehbare öffentliche Erklärung entfällt, wirft aus dokumentarischer Sicht Fragen auf. Da mir an einer verlässlichen und transparenten Darstellung der relevanten Informationen gelegen ist, habe ich mich ergänzend am 09.02.2026 direkt an die Hans-Platschek-Stiftung gewandt und um Klärung gebeten. Am 14.02.2026 habe ich nachgefragt.
Solange hierzu keine inhaltliche Auskunft vorliegt, bleibt dieser Hinweis bewusst auf meiner Seite stehen. Für mich endet Recherche nicht mit dem Ausbleiben einer Antwort, und veröffentlichte Informationen verlieren ihre Relevanz nicht dadurch, dass sie unbeantwortet bleiben. Mein Anspruch ist es, Entwicklungen nachvollziehbar zu dokumentieren und offene Punkte kenntlich zu machen, bis sie geklärt sind.
Sobald mir eine Stellungnahme vorliegt, wird diese hier ohne Verzögerung ergänzt.
Cornelia Kerber

