Eine Lesung. Ein Mensch: Rahsan Dogan.

Die Karlsruher Autorin Dr. Rahsan Dogan bei der Premierenlesung ihres dritten Karlsruher Krimis "Der Fall Augustenberg" der im Verlag Regionalkultur 2026 erschienen ist. Text und Foto (c) Cornelia Kerber

Es gibt Berichte von Lesungen, die beginnen mit einer Aufzählung von Lebenslauf, Stationen und sonstigen sicher wichtigen Begebenheiten. Mein Augenmerk soll heute ein anderer sein.

Wer nach Rahsan Dogan sucht findet Teile ihres Lebens und Wirkens an unzähligen Stellen im Internet, häufig wohl der Einfachheit halber wörtlich kopiert.
Dort steht dass sie Juristin ist, Stadträtin, sich bei der Evangelischen Stadtmission engagiert und in diesem Jahr mit dem Literatur- und Publizistikpreis der Landesregierung Baden in Europe e. V. ausgezeichnet wurde. Wichtige Details die erwähnt sein sollen, aber nur Puzzleteile einer bemerkenswerten Frau sind.

Ich komme gerade von ihrer Premierenlesung im Herbert-Schweizer-Haus, der Begegnungsstätte Grötzingen zurück. Der Große Saal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt: ein Bild literarischen Interesses, das heute durchaus Seltenheitswert hat. Umso anerkennender fielen die Worte des anwesenden Vertreters des Verlags Regionalkultur aus, der seine Freude über die außergewöhnliche Fülle des Raums an diesem Leseabend nicht verbarg.
Jens Jägle, Ortsvorsteher von Karlsruhes Stadttteil Grötzingen, richtete den Blick verständlicherweise auf seinen Stadtteil. Er würdigte die sorgfältigen Recherchen, die vielen historischen Bezüge und die Aufmerksamkeit, die Rahsan Dogans Roman Grötzingen über seine Grenzen hinaus verschafft. Das ist Teil seiner Aufgabe als Ortsvorsteher und diesem wurde er an diesem Abend mit sichtbarer Wertschätzung für Autorin und Buch gleichermaßen gerecht.

Vorgestellt wurde ihr inzwischen dritter Kriminalroman „Der Fall Augustenberg“, erschienen im Verlag Regionalkultur. Schon die Wahl dieses Verlages erzählt etwas über die herzliche Verbundenheit der Autorin mit unserer Heimat. Regionale Verlage haben es heute nicht leicht. Sie behaupten sich in einer Zeit, in der Bücher gegen Smartphone, Streamingdienste und Spielekonsolen bestehen müssen. Umso mehr verdienen Verlage und auch Buchhandlungen Respekt, die konsequent auf Qualität setzen und ihrem guten Namen treu bleiben. Und genau dort haben Rahsan Dogans Romane ihren Platz gefunden.

Eine kleine Randnotiz muss ich mir dazu noch erlauben: Wer heute bei Google nach „Wer schreibt Karlsruher Krimis?“ sucht, sieht als Erstes eine KI-Übersicht mit vier Namen – einer davon ist bereits verstorben. Rahsan Dogan taucht dort ebenso wenig auf wie bei Wikipedia. Das hat mich nach mittlerweile drei Karlsruher Kriminalromanen durchaus überrascht. Es zeigt aber auch, dass man sich auf KI-Ergebnisse nicht blind verlassen darf: sie sind oft fehlerhaft und unzuverlässig. Vielleicht kann man das ja ein klein wenig anstupsen, wie mit diesem Beitrag zum Beispiel. Zu Recherchezwecken habe ich von dieser Google-Suche heute einen Screenshot gemacht. Wer weiß, vielleicht dient dieser in ein paar Jahren als Beleg für den Anfang einer kleinen Erfolgsgeschichte.

Rahsan Dogans Geschichten sind weit mehr als Kriminalromane. Sie verbinden Spannung und Lesevergnügen mit der Geschichte unserer Region und den jeweiligen Karlsruher Stadtteilen, die als Schauplätze ihrer Krimis dienen. Vielleicht hat ihre frühere Tätigkeit am Institut für Kriminologie den Blick für kriminalistische Zusammenhänge geschärft. Heute vereint sie ihre juristische Erfahrung mit ihrer Leidenschaft für das Schreiben und ihrer Liebe zur Geschichte der Karlsruher Heimat. Daraus entstehen Bücher die nicht nur unterhalten, sondern zugleich Erinnerungen an Orte, Menschen und historische Zusammenhänge lebendig halten. Lebendige Kulturgeschichte.

Was mich jedoch mindestens ebenso beeindruckt wie ihre Bücher, ist der Mensch Rahsan Dogan.

Ich mag ihre Nahbarkeit. Ihre Aufmerksamkeit. Die Art wie sie jedem Menschen begegnet, ohne Eile, ohne Überheblichkeit, mit echtem Interesse und einem offenen Ohr. Sie drängt sich nie in den Vordergrund und muss es auch gar nicht. Sie wirbt weder aufdringlich für ihre Partei noch für ihre Kanzlei. Sie trennt das eine vom anderen. Das schätze ich.

Vielleicht mag ich sie auch deshalb, weil uns die Liebe zur Sprache verbindet. Sie kann mit Worten umgehen, verbal und in ihren Geschichten. Ich hingegen kann nur schreiben. Sie verfasst Bücher, ich andere Texte. Aber die Begeisterung für Sprache bleibt dieselbe. Dass sie zweisprachig aufgewachsen ist bereichert ihre Ausdruckskraft vermutlich ebenso wie ihre herrlich badische Art, die immer wieder durchblitzt und sie noch ein Stück nahbarer und „symbadischer“ macht.

Ich mag ihre Begeisterung für historische Burgen, weil ich diese Faszination teile. Ebenso ihr soziales Engagement, weil ich selbst meine Ehrenämter mit großer Überzeugung ausübe und weiß, wie viel Herzblut darin steckt. Und ich gestehe: Wer einen richtig großen Eisbecher bestellt und selbstverständlich auch die Sahne dazu nimmt, sammelt bei mir ohnehin Sympathiepunkte.

Ich finde es liebenswert dass ihre Mutter für die Lesungen selbstgemachte Köstlichkeiten backt, dass Teile der Familie wie selbstverständlich dabei sind. Und es fallen mir die Menschen auf die herzlich auf Rahsan zugehen und sie umarmen. Nicht weil sie prominent ist, sondern weil sie offensichtlich als Mensch geschätzt wird.

Auch die Lesung selbst war kurzweilig. Rahsan Dogan versteht es genau jene Passagen auszuwählen  die Spannung erzeugen, ohne zu viel zu verraten. Sie macht neugierig auf das, was zwischen den Buchdeckeln noch wartet. Und obwohl sie den gesamten Raum im Blick behielt und jede Reaktion ihres Publikums wahrnahm, las sie ohne die kleinste Unsicherheit. Keine stockende Stimme, kein Suchen nach der nächsten Zeile. Selbst hinter dem für ihre Körpergröße eigentlich viel zu hohen Rednerpult stand sie mit einer bewundernswerten Ruhe und Souveränität.

Passender hätte es für die Lesung eines Krimis kaum sein können: Plötzlich begann es zu gewittern. Regen, Donner und heftiger Wind bildeten die Hintergrundkulisse des Abends. Eine wunderbare Begleiterscheinung ohne Inszenierung. Ich mag es, wenn es authentisch ist.

Und wer mich kennt weiß: Ich bin meist die Erste, die geht. So auch heute. Eher stiller Beobachter, Applaudierer und Genussmensch. Die Bühne gehört den Protagonisten, ihren fleißigen Helfern, den Gönnern, den Interessierten – und natürlich auch den Aufmerksamkeitsbuhlern.

Ich bin vielerorts, aber selten gesehen. Diesen Vorzug schätze ich sehr. Er gibt mir die Freiheit des unabhängigen Wortes.

Und deshalb will ich meine Eindrücke nun schließen, das Buch „Der Fall Augustenberg“ öffnen und schmökern.
Ich bin sicher, dass ich es ebenso gerne lesen werde wie ihre beiden vorherigen Romane. Und wenn das Durlacher Blatt recht behält, darf man sich schon heute auf den nächsten Krimi freuen: er soll in Durlach spielen.

© Cornelia Kerber, Karlsruhe den 16.07.2026

Rahsan Dogan, Der Fall Augustenberg. Karlsruhe-Krimi.  ISBN: 978-3-95505-613-1. Erscheinungsdatum: 04.05.2026
Rahsan Dogan, Der Fluch der Waldenser. Karlsruhe-Krimi. ISBN: 978-3-95505-541-7. Erscheinungsdatum: 23.06.2025
Rahsan Dogan, Das Geheimnis der Hohen Eich. Karlsruhe-Krimi. ISBN: 978-3-95505-547-9. Erscheinungsdatum: 10.08.2023