21. Mai 2015
Lieber Gue,
„Schwammerln“ ist so ein liebes Wort – und doch müssten es wohl einige Deutsche zuerst googeln um zu wissen, was sie denn im Wald suchen sollen.
Und so erging es mir.
Siedelt (zieht) man als Deutsche nach Österreich, so wird man mit solch sprachlichen Herausforderungen und gar Hindernissen geradezu überschwemmt.
Noch heute finde ich keine Speisestärke in den Läden, weil ich dort niemanden finde der dolmetschen könnte – und so lange wird es eben keinen luftig-lockeren Rührkuchen geben.
Meine Freunde gewöhnten sich daran, dass ich Blumenkohl statt (ich hab das Wort vergessen*) koche, oder es Bohnen anstatt Fisolen gibt, ich Hackfleisch kaufe und meine Gäste dann eigenartigerweise Faschiertes essen – und wenn ich auf einem Werbeschild lese dass man Gebäck anstatt Brötchen zu einer heißen Wurst anbietet, frage ich mich noch immer was ein Keks dort zu suchen hat.
Und so wundert sich mein Umfeld, dass der Einkauf bei mir stets einen Schweißausbruch hervorruft und stundenlange harte Arbeit bedeutet.
Aber es ist schon auch irgendwie liebevoll, wenn „sich etwas ausgeht“, ich lächle, doch zucke ich noch immer leicht zusammen und finde nach wie vor keine Eselsbrücke, die mir diesen Ausdruck näherbringen könnte.
Die österreichischen Kinder haben sich längst daran gewöhnt dass sie nicht rennen müssen, wenn ich sie bitte ein Stück des Weges mit mir zu „laufen“, oder ihnen ein Unterhemd bringe wenn sie ein Leibchen wechsen wollen.
Nein, ich suchte kein Gewässer als die Kinder mich auf dem Spielplatz baten, sie „anzutauchen“, aber ich war ratlos, bis ich lernte dass ich sie auf der Schaukel anstupsen sollte.
Tja, und so suchte ich vergebens nach Schwammerln im Wald. Ich wollte mir keine Blöße geben nicht zu wissen was ich denn suchen sollte. Irgendwie verzweifelt hielt ich nach schwammartigen Getieren und Pflanzen Ausschau, die bestenfalls gelb seien und Luftlöcher hätten. Ich fand nichts. Das Gelächter war ähnlich groß wie an Nikolaus, dem 6. Dezember, als ich dem Jüngsten voller Stolz einen Krampus brachte weil ich dachte, dass das ein neumodischer Monster-Nikolaus sei und er Monster doch so liebt. Dass ein Krampus zum jahrhundertenalten Brauchtum gehört, war mir entgangen.
Gue, ich gab die Schwammerlsuche auf und widme mich stattdessen meinem kleinen Pilz-Ratgeber welcher mir sagt, dass ich lieber die Finger von der Pilzjagd lasse und weiterhin mit einem Lächeln dem österreichischen Vorurteil entgegensehe, dass Deutsche nicht kochen können. Denn nun kenne ich den Ursprung dessen: Es gibt einfach nichts in den Geschäften zu kaufen, was als Zutat zu gebrauchen wäre 🙂
Viele liebe Grüße nach Sri Lanka und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen
Cornelia
ℹ️ Geschrieben auf Bitte meines Bekannten Günther Herman (Gue) internationaler Maler, Grafiker, Künstler aus Graz, der in Galle (Sri Lanka) lebt und ein Schwammerl-Buch herausgeben wollte, für das ich eine Anekdote schreiben sollte.
*Karfiol
